Aktuell scheint es nur ein Thema zu geben: den Digital Product Passport. In Panels, Strategiepapieren und Softwarepräsentationen wird er als große digitale Neuerfindung gefeiert. Der Tenor ist oft derselbe: Jetzt beginnt endlich die digitale Produkttransparenz.
Ich sehe das differenzierter. Nicht, weil ich den Digital Product Passport für falsch halte – im Gegenteil. Sondern weil ich glaube, dass wir in der Industrie gerade etwas als Revolution verkaufen, was für viele Unternehmen (und auch bei uns bei INFOLOX), seit über 15 Jahren gelebte Praxis im Bereich B2B Portale mit PIM, DAM, CMS, SHOP und Print-Publishing ist.
Produktinformationen waren nie das Problem – ihre Verfügbarkeit schon
Was wird heute unter dem Digital Product Passport gefordert? Ein Produkt soll eindeutig identifizierbar sein und jederzeit Zugriff auf aktuelle, konsistente und kontextbezogene Informationen bieten – von Presales über Nutzung und Service bis hin zu Recycling und Entsorgung.
Wenn man ehrlich ist, geht es dabei weniger um neue Technologie als um eine alte Erkenntnis: Produktinformationen müssen dort verfügbar sein, wo sie gebraucht werden – und für die jeweilige Zielgruppe richtig aufbereitet.
Genau das war schon vor über 15 Jahren unser Anspruch bei INFOLOX.
Tagesaktuelle Produktinformationen – zielgruppenspezifisch aufbereitet
Schon lange bevor Begriffe wie „Digital Product Passport“ oder „Product Experience“ populär wurden, war es für uns selbstverständlich:
- alle relevanten Presales‑Informationen (Marketing, Produktargumente, Varianten, Dokumente, Medien)
- alle notwendigen Aftersales‑Informationen (Technik, Service, Ersatzteile, Anleitungen, Updates)
zentral zu managen und zielgruppenspezifisch aufzubereiten – für Vertrieb, Service, Partner, Techniker oder Endkunden.
Diese Informationen lagen nicht in PDFs verstreut oder in statischen Katalogen, sondern wurden tagesaktuell in einem Online‑Portal bereitgestellt. Änderungen an Produktdaten waren sofort wirksam – ohne Neuauflagen, ohne Medienbrüche.
Der physische Zugang: automatisch generierte QR-Codes mit updatebaren URLs
Der entscheidende Schritt war immer die Verbindung von digitaler Produktwelt und physischem Produkt und/oder Print-Publikation.
Deshalb haben wir bereits früh für:
- jedes Produkt,
- jeden Artikel,
- jede Variante,
- und bei Bedarf sogar jede Versionsnummer
automatisch generierte QR-Codes mit variabler Verlinkung eingesetzt.
Diese QR-Codes verweisen nicht auf eine feste Datei, sondern auf eine eindeutige Datenbank‑ID, die auf eine stets aktuelle Produkt‑Landingpage zeigt. Dort werden alle relevanten Inhalte gebündelt dargestellt – strukturiert, aktuell und kontextfähig.
Der Code selbst ist dauerhaft am Produkt verfügbar:
- auf dem Etikett,
- auf dem Typenschild,
- in der Begleitdokumentation.
Ein Scan genügt – und die richtige Information ist da. Ohne Umwege. Ohne Aktualisierungsprobleme.
Wenn ich mir anschaue, was heute unter dem Digital Product Passport diskutiert wird, stelle ich bewusst eine provokante Frage:
Haben viele Industrieunternehmen nicht längst einen Digital Product Passport – ohne ihn so genannt zu haben?
Zumindest technisch und organisatorisch erfüllen diese Lösungen seit Jahren genau das, was jetzt regulatorisch eingefordert wird:
- Eindeutige Produktidentifikation
- Aktuelle, zentrale Produktinformationen
- Versionierung und Lebenszyklusbezug
- Direkte Verbindung zwischen Produkt und digitaler Produktakte
Der Unterschied liegt weniger im Was? als im Warum?: Früher war es Markt‑ und Kundenanforderung. Heute kommt die Regulatorik hinzu.
Der wahre Engpass liegt nicht im QR-Code
Was mich an der aktuellen Diskussion stört, ist der Fokus auf sichtbare Elemente – QR-Code, Label, Identifier. All das ist technologisch trivial.
Die eigentliche Herausforderung liegt darunter:
- saubere Produktdatenmodelle,
- konsistente PIM‑, DAM‑ und MDM‑Strukturen,
- klar definierte Verantwortlichkeiten,
- und Systeme, die Informationen nicht nur speichern, sondern situativ ausspielen können.
Wer das über Jahre aufgebaut hat, wird den Digital Product Passport nicht als Bedrohung erleben – sondern als logische Erweiterung bestehender Architekturen.
Mein Fazit
Der Digital Product Passport ist sinnvoll und notwendig. Aber er ist kein Neuanfang auf der grünen Wiese. Für viele Unternehmen ist er ein Stresstest für das eigene Produktdaten‑Fundament. Für andere ist er schlicht die formelle Anerkennung dessen, was sie seit Jahren tun. Bei INFOLOX war es schon vor über 15 Jahren normal, Produktinformationen zentral, aktuell, zielgruppenspezifisch und direkt am Produkt zugänglich zu machen.
Vielleicht sollten wir deshalb weniger von Revolution sprechen – und mehr darüber, wer seine Produktdaten bereits verstanden hat.



